Paypal’s Umsatzplus und der Paypal-Zwang bei Ebay
Geschrieben von: Christian KochAug 9
Habe heute einen Artikel in der Wirtschaftwoche (Ausgabe 31, S. 12) über das immense Wachstum von Ebay’s Tochtergesellschaft Paypal gelesen. “Die Tochter treibt die Mutter an” steht dort zu lesen.
Während Ebay den Umsatz im 2. Quartal 2010 um 6% steigern konnte, erreichte Paypal ein unglaubliches Umsatzplus von 22%, wobei einer der größten Treiber dabei Paypal Deutschland gewesen sei. In gerade mal zwölf Monaten sei in Deutschland die Zahl der Konten um 50% gestiegen.
Aus Käufersicht finde ich Paypal auch gut. Es geht schnell und man hat den sog. Käuferschutz. Aus Verkäufersicht jedoch spricht gegen Paypal, dass Gebühren fällig werden.

PayPal employee shtuttle, ursprünglich hochgeladen von richardmasoner.
Weshalb das Umsatzwachstum nicht überraschend ist:
Als ich mir nun den o.g. Artikel durchgelesen hatte, kam mir als erstes in den Sinn, dass Ebay seit Anfang des Jahres eingeführt hat, dass Paypal als Zahlungsmethode Pflicht ist – für Verkäufer mit weniger als 50 Bewertungspunkten. Ergo wird jeder dieser Betroffenen vor die Wahl gestellt einen Paypal-Account zu eröffnen oder das Verkaufen zumindest so lange einzustellen, bis sie 50 Bewertungen als Käufer erhalten haben.
Die offizielle Begründung war natürlich der Schutz der Käufer. Wer bis drei zählen kann, erkennt nun den wahren Treiber der oben genannten 22% Umsatzsteigerung!
Weiterhin heißt es im Artikel:
Aber noch immer zahlen zwei Drittel aller Online-Einkäufer per Rechnung. Elektronische Zahlsysteme wie Paypal nutzen nicht mal ein Viertel der deutschen Internet-Shopper.
Was ja auch nachvollziehbar ist, schließlich können Käufer erst nach Erhalt der Ware und somit nach Sicherstellung des Artikelzustandes bezahlen. Meist muss man bei Ebay- und Onlineshops in Vorkasse gehen. Aber selbst da, ist eine gewöhnliche Überweisung per Online-Banking in der Regel schnell genug. Außerdem liest man immer wieder von Betroffenen, denen z.B. das Paypal-Konto eingefroren wurde.
Ich als Ebay Gelegenheitsverkäufer und -käufer empfinde die Paypal-Pflicht persönlich als unangebracht und stelle dies gedanklich einer Gebührenerhöhung gleich. Denn letztendlich fließen nun mindestens weitere 1,9% von meinem Erlös + 0,35 Euro pro Verkauf an den Ebay Konzern.
Paypal = Bank
Letztendlich muss man Paypal mit einer Bank vergleichen, schließlich hat Paypal seit Mitte 2007 eine Banklizenz und hat deswegen seinen Sitz von England nach Luxemburg verlegt um Steuern zu sparen. Seitdem sind Paypal-Konten wie ein Girokonto bei der Bank anzusehen. Und wenn ich das tue, dann stell ich mir die Frage, ob diese Gebühren den Käufer-Schutz gerechtfertigen. Denn alles andere kann ich auch mit meiner Hausbank. Und da bezahle ich ich weit weniger nichts!
















Wir sollten das alles nicht so eng sehen. Natürlich entwickelt sich Ebay weiter (in unseren Augen ist es kein Fort- sondern ein Rückschritt) und ist stets auf Umsatzmaximierung bedacht.
Ich finde PayPal jedenfalls klasse, aus Käufer- und Verkäufersicht. Der “erhöhte” Preis, den ich zahle, ist für mich eine Investition in schnelle Abwicklung, Sicherheit und Service. Völlig legitim
Jeder muss für sich selbst entscheiden können wie und auf welche Weise er verkauft oder kauft. Niemand ist gezwungen bei einem Anbieter zu steigern dessen Angebot oder Abwicklung ihm nicht gefällt.
Ich habe aus diesem Anlass mein Paypalkonto gelöscht.
Wir sollten das sehr ernst nehmen denn wie der Bericht zeigt, ist das eine extrem marktverzerrende Zwangsmaßnahme und Zwangserhebung von Zusatzgebühren für Leistungen, die jede Bank kostenlos bietet. Der Punkt Sicherheit kann da auch nicht gelten. Denn jeder entscheidet als mündiger Bürger selber wo, was und wie er kauft.