Hiermit präsentiere ich euch den ersten detaillierten Erfahrungsbericht aus der Reihe der Markenerlebnisse, welche ich zukünftig ausbauen möchte.

Heute: Mein Direktbanken-Vergleich und -Erfahrungsbericht:

Nachdem ich letztes Jahr, im Spätsommer 2008, mein Studium beendet hatte, musste ich mich notgedrungen von meiner bisherigen Hausbank, einer Sparkasse, trennen. Der Grund ist recht simpel: Nach Ende des Studiums sind Kontoführungsgebühren fällig. Das günstigste Giropaket der Sparkasse liegt bei 3,50 Euro pro Monat und beinhaltet nur die Basics. Ich wollte jedoch eine Kreditkarte, da ich hin und wieder recht kurzfristig Flüge buche. Bei derart kurzfristiger Buchung ist die einzige Bezahlmöglichkeit per Kreditkarte (ging mir zumindest bei Air Berlin und Germanwings so). Nachdem ich die ein oder andere Filiale anderer Banken in meiner Stadt (Citibank, Commerzbank, Hypo, Dresdner und Postbank) besucht hatte, war schnell klar, dass ich zu einer Direktbank wechseln wollte, denn der Kostenfaktor war für mich ausschlaggebend. Neben dem Kosten- und Sparfaktor war für mich auch Möglichkeiten zur Bargeldabhebung und -einzahlung, sowie die Nutzung des Kontos als Gemeinschaftskonto wichtig. Das hieß also hinsetzen, Bank-Webseiten besuchen, Angebote für Girokonten mit Kreditkarte vergleichen und danach unzählige Erfahrungsberichte bzgl. der ersten Favoriten durchlesen. Meine ersten Favoriten waren folgende:

  • Cortal Consors
  • DKB
  • Ing-DiBa
  • Norisbank
  • comdirect

Was trennte die Spreu vom Weizen? Hierzu möchte ich euch die meiner Meinung nach wichtigsten Vor- und Nachteile der verschiedenen Angebote aufzeigen:

Cortal Consors: Vorteile: Die Website von Cortal Consors bat recht unkompliziert die Möglichkeit sich Angebote und Broschüren hierzu per Post nach Hause schicken zu lassen. Das fand ich klasse, also hab ichs gemacht. Die Hardfacts, welche dort zu lesen waren: Kostenloses Giro inkl. VISA-Karte ab einem monatlichem Eingang von min. 1500,- Euro. Kostenlose Barabhebungen sind an allen VISA-zugänglichen Geldausgabeautomaten mit der VISA-Karte möglich. Optional gibt es 6% Zinsen aufs Tagesgeld. Nachteil: Diese 6% Zins aufs Tagesgeld gibts nur bei Umzug eines Depots zu Cortal Consors.

DKB*: Der erste Eindruck zählt! Die Website der DKB machte im Vergleich mit den übrigen Bank-Websites den schlechtesten Eindruck. Von der Aufmachung her erinnerte diese mich eher an erste Versuche mit Microsoft Frontpage. Mies! Allerdings ist auch hier – wenn auch aufgrund des überschaubaren Contents – das Angebot für das kostenlose Girokonto inkl. Kreditkarte schnell zu finden. Die DKB hat folgendes Alleinstellungsmerkmal: Das Konto kostet nichts, und das auch ohne monatliche Mindesteinzahlung. Weiterhin kann man mit der VISA-Karte weltweit an allen VISA-Geldautomaten Bargeld gebührenfrei abheben. Erfahrungsberichten zufolge wird dieses Angebot deswegen verstärkt durch Studenten genutzt (so auch einer meiner alten Studi-Kumpels – an dieser Stelle Grüße an  den “F” – welcher mittels der DKB-Visa-Karte während seines Thailand Trips kostenlos Bargeld abheben konnte). Übrigens ist mir die DKB vorher bereits aufgrund Werbeeinblendungen auf facebook.com aufgefallen. Klar ist ja auch ne Direktbank, die nutzt Internetwerbung mehr als “herkömmliche” Banken… obwohl sich das auch mehr und mehr ändert. Aber das ist ein anderes Thema, also zurück zur DKB: Nachteil meiner Meinung nach: Ich kann nur an VISA-Geldautomaten Bargeld kostenfrei abheben.

ING-DiBa wäre meine Erste Wahl gewesen, wenn mein Focus auf Online-Depot und Aktienhandel gelegen hätte. Das Girokonto-Angebot hat sich allerdings wenig von den anderen unterschieden. Auch hier kann man mit der EC-Karte nur bei Automaten der ING-DiBa und deren Partnerbank Degussa Bank kostenfrei Bargeld abheben. Weiterer Nachteil: Bargeldeinzahlungen sind nicht gebührenfrei. Die Gebühr ist vom jeweiligen Kreditinstitut abhängig.

Norisbank: Vorteile: Kostenloses Giro auch ohne Mindesteinzahlung und schnell zu findender Kontowechselservice. Nachteile: Das Angebot enthält keine Kreditkarte und weitere Noris-Karten kosten 9,00 Euro / Jahr.

Die comdirect hatte folgendes Angebot: Das Girokonto, welches anstatt Gebühren zu verlangen monatlich noch einen Euro zahlt plus einer unglaublichen Eröffnungsprämie von 75 Euro! Ebenfalls gibt es eine kostenlose VISA-Karte. Allerdings handelt es sich hier um eine Debit-Karte und nicht um eine Kredit-Karte. Kurz gegooglet und festgestellt, dass der Hauptunterschied darin liegt, dass kein Kredit gewährt wird, der Betrag wird also wie bei Bezahlung mit der EC-Karte sofort vom Giro abgebucht. Bezahlen kann man damit jedoch genauso wie mit einer “normalen” Kreditkarte (so weit ich weiss). Gut denkt sich der Schwabe, dann hab ich meine Ausgaben auch besser im Griff! Das Angebot enthielt sogar noch das sog. Tagesgeldkonto PLUS, auf welchem man – allerdings nur sechs Monate garantiert – 4,75% Zinsen p.a. erhält.

Letztlich habe ich mich aus folgenden Gründen für das Angebot der comdirect Bank entschieden:

  • Kosten- und Sparfaktor: Es kostet mich nichts und zahlt mir sogar monatlich einen Euro (außer ich gebe im anmeldebogen an, dass diese Beträge gespendet werden dürfen. Auf dem Tagesgeldkonto PLUS gibt es 4,75% Zinsen! Hei mein Sparbuch bei der Sparkasse gibt mir gerade mal 1,5% (Stand Ende 2008). Das sind 3,25% mehr!!! Mittlerweile bietet die Bank hierfür nur noch ca. 3%. Update 10. April: Wie ich eben auf schnäppchenfuchs.com lesen konnte, ist comdirect mit einen aktuellen Angebot von 4% wieder auf Kundenfang.
  • Servicefaktor: Auf der Website fand ich schnell die Anmeldeunterlagen für ein Gemeinschaftskonto (damit auch meine Frau dieses Konto benutzen kann). Die Hotline war kompetent und hat mir schnell Auskunft geben können (Hatte gefragt, ob wir dann jeweils eine EC-Karte und je eine VISA-Karte erhalten).
  • Verfügbarkeit: Die comdirect ist eine Tochter der Commerzbank, was zwei wichtige Vorteile vereint: Zum einen gehört die comdirekt der Cashgroup an, was bedeutet, dass ich an allen Automaten der Postbank, Deutschen Bank, Commerzbank, Dresdner Bank und Hypovereinsbank gebührenfrei mit der EC-Karte abheben kann (zusätzlich kann ich natürlich an allen VISA-Automaten weltweit kostenfrei Bargeld abheben). Zum anderen kann ich in jeder Commerzbank-Filiale problemlos und kostenlos Bargeld einzahlen.
  • Erfahrungsberichte: Auf Meinungsportalen wie z.B. Ciao.de habe ich mich über comdirect fast schon blind gelesen. Hier zeigt sich, dass die Mehrheit mehr als zufrieden mit comdirect ist.

Allerdings lässt die Kontoeröffnung bei der comdirekt Bank zu wünschen übrig! Im Gegensatz zu diesem Blogger musste ich dies leider bald feststellen. Dies möchte ich euch nicht vorenthalten: Nachdem ich die Unterlagen für mein Frauchen und mich ausgefüllt hatte, mussten wir uns über das PostIdent-Verfahren bei der deutschen Post identifizieren und dann alle Unterlagen an comdirect senden. Das war Mitte Dezember. Hier bestand das erste Problem: Da wir Anfang Dezember geheiratet hatten, hatte meine Frau noch ihren Mädchennamen im Personalausweis stehen. Ein neuer Ausweis war erst beantragt worden. Der Postbeamte weigerte sich dann zuerst die Identifikationsbestätigung auf ihren neuen Namen auszustellen. Außerdem meinte er, er könne Ihre Unterschrift mit dem neuen Namen nicht akzeptieren, wenn im Ausweis noch ein anderer Nachname stehe. Allerdings konnten wir ihn durch die Namensänderungsurkunde / Heiratsurkunde doch dazu bewegen.

Darauf hin passierte erst mal zwei Wochen nichts. Der Anruf bei der Hotline klärte mich auf, dass der Antrag noch in Bearbeitung sei und wir in den nächsten 5 Tagen bestimmt unser Eröffnungspaket zugesandt bekommen würden. Doch es vergingen weitere zwei Wochen bis wir Post bekommen sollten. Und welch Überraschung: Der Umschlag enthielt nochmal die Anmeldeunterlagen mit der Bitte noch fehlende Infos anzugeben. Seltsam, ich hatte eine Kopie des zuerst gesandten Bogens und manche Infos, welche nochmals gefordert wurden, hatte ich bereits angegeben. Außerdem hatte der gute comdirect Sachbearbeiter die Telefonnummer meiner Frau mit meiner vertauscht. Einen Fehler meinerseits muss ich leider auch zugeben. Ich hatte in der zuerst gesandten Anmeldung einen Zahlendreher im Geburtsdatum meiner Frau, was natürlich vom PostIdent-Ergebnis abwich… echt peinlich :-) Naja wie dem auch sei, meine Frau hatte nun auch ihren neuen Ausweis, und das war auch gut so, denn wir mussten uns erneut bei der Post identifizieren.

Nach weiteren Wochen erhielten wir dann endlich unsere Eröffnungsunterlagen per Post; für jeden von uns je ein Umschlag mit den ersten Infos. Ein paar Tage später kam seltsamerweise nochmals genau dasselbe Schreiben. Wer jetzt denkt, “klar ihr seit ja auch zu zweit” der irrt, denn jeder hatte nun ein und dasselbe Schreiben doppelt. Im Nachgang ging es dann schneller: Kontonummer, Zugangsdaten, Preislisten, Tans, Karten, Pins und Broschüren zur Nutzung der Website / des Accounts via Telefon und Website kamen – das wichtigste aus Sicherheitsgründen je getrennt voneinander – peu à peu ins Haus geflattert. Seit einigen Wochen können wir unser neues Gemeinschaftskonto verwenden und sind seither recht zufrieden damit. Achja, die 75 Euro Startguthaben, welche es bis zum 31. März noch gab, haben wir nach dem ersten Geldeingang automatisch gutgeschrieben bekommen! Klasse Ding sag ich da nur :-)

Achja eine Sache noch: Im Anmeldebogen muss man angeben ob das Konto als Gehaltskonto dient. Darunter kann man dann angeben ob man einen Dispo möchte, und wenn ja, wie hoch dieser sein soll. Nun, von der Sparkasse war ich gewohnt, dass sich die Dispo-Höhe an meinem Zahlungseingang orientierte. Nicht so bei der comdirect. In meinem persönlichem comdirect Nachrichten-Center las ich eine Email, welche besagt, das mir kein Dispo zur Verfügung stehe, und dass ich dafür Verständnis haben sollte, dass diese Entscheidung ohne Angabe von Gründen möglich sei. Da ich hierfür kein Verständnis hatte, habe ich (mal wieder) bei der Kunden-Hotline (0,09 Euro/Min) angerufen, welche mir mitteilte, dass mein Kontoverhalten vorher geprüft werden muss und ich frühestens in drei Monaten nochmals anfragen solle. Wenn regelmässiger Geldeingang zu verzeichnen sei, dann sollte es klappen. Alles klar! Merke mir also vor Ende April nochmals nachzufragen. Bin ja mal gespannt.

Fazit nach den ersten Monaten bei einer Direktbank: Es ist ganz klar: Ganz umsonst ist das Konto nicht, denn a) man verzichtet auf einen gewissen Grad an Service und b) andere, spezielle Aktionen kosten Aufpreis, also immer die kleingedruckte Preisliste durchlesen, vergleichen und dann einschätzen wie oft eine dieser speziellen Aktionen (wie z.B. Lastschriftrückholung) im Jahr anfällt. Im Nachhinein schätze ich zwar den Service, welchen ich bei der Sparkasse hatte, andererseits jedoch hab ich bei der Sparkasse die letzten Jahre eigentlich alles rund ums Giro sowieso schon per Onlinebanking gemacht, weshalb also noch Gebühren bezahlen?

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