Jeff Jarvis vs. Klaus Eck oder wieviel Google ist gut für mich?
Geschrieben von: Christian KochApr 20
Nachdem ich heute in der der aktuellen Wirtschaftswoche (20. April 2009) Auszüge aus dem Buch Was würde Google tun?: Wie man von den Erfolgsstrategien des Internet-Giganten profitiert
von Jeff Jarvis gelesen habe, stelle ich mir kurz und knackig ein paar Grundsatzfragen zum Thema Internet und Privatsphäre:
Schon in der Titelunterschrift kann man ablesen: Jeff Jarvis sieht in der Offenheit des Internets mehr Chancen als Risiken! Diese Einstellung zeigt sich eigentlich in allen Teilen des Buchauszuges hindurch. So schreibt er:
Die Ethik der Privatsphäre hat sich für die Generation G (Google) radikal verändert. Leute in meinem Alter oder älter regen sich auf über all die Informationen, die junge Leute über sich selbst veröffentlichen. Ich versuche immer, zu erklären, dass es eine soziale Geste ist, andere an persönlichen Dingen teilhaben zu lassen […]
Ich finde, das ist eine sehr gute Erklärung. Weiterhin schreibt er, dass ihm Öffentlichkeit einen persönlichen Nutzen gebracht hat, welcher die Risiken überwiegt. Das Internet gäbe jedem Schaffenden die Chance, das verdiente Publikum zu finden und dadurch würden wir letztlich auch Menschen finden, denen gefällt, was wir tun.
Das denke ich auch. Er vertritt diesen Standpunkt jedoch derart, dass ich mir sogar die Frage gestellt habe, ob ich mich selbst im Internet eigentlich genug darstelle, bzw. mich und mein Können eigentlich gut genug veröffentliche?! Kurz drauf ist allerdings zu lesen:
Der Schatten, den wir online hinterlassen, wird zu unserer Identität.
Ich nutze Soziale Netzwerke, lade Videos hoch, schreibe in Foren, chatte hin und wieder, nutze ein Google-Handy (Latitude hab ich aber bisher noch nicht aktiviert) und schreibe einen Blog. “Ich bin schon viel zu stark im Netz vertreten” denk ich mir an dieser Stelle!
<beichte_on>Ich habe in der Vergangenheit sogar ein Party-Onlinemagazin aufgebaut und geführt, für welches ich mich auch nach dem ein oder anderen Bierchen noch habe ablichten lassen…<beichte_off>
Und genau hier kommt Herr Klaus Eck von pr-blogger.de ins Spiel. Denn – und das fand ich klasse – direkt im Nachgang zum Auszug aus Jeff Jarvis` Buch ist sein “Einspruch” abgedruckt – mit dem Titel: Digitales Utopia. Google-Gefahr: Klaus Eck erklärt, warum er totale Transparenz im Netz riskant findet. Er schreibt von dem unendlichen Gedächtnis, der totalen Transparenz und der Gefahr ein Lebenlang am digitalen Dorfpranger zu stehen – dank Google und dem Internet. Auch er hat ein Buch geschrieben. Sein zweites Buch übrigens. Es heisst Karrierefalle Internet. Managen Sie Ihre Online-Reputation, bevor andere es tun!
Und nun bin ich hin und her gerissen, welches der zwei Bücher in nun kaufen soll. Ich muss zugeben, dass mir der Schreibstil von Jeff Jarvis gefällt und dass es dieser kleine Auszug geschafft hat, mich für sein Buch zu interessieren. Denn nun möchte ich natürlich wissen, wieviel Privatsphäre ein Mensche aufgibt, der für ein Unternehmen arbeitet, welches ausschließlich Google im Fokus hat. Herr Eck`s Buch allerdings, werde ich mir auch kaufen. Der Vernunft wegen. Denn wenn ich erst Jarvis` Buch gelesen habe, brauche ich Eck`s Buch um wieder auf den Boden der Realität zu kommen.
UPDATE: Jarvis war auf der next09. Wie es scheint zieht sein Vortrag Kreise im Web. Jay Martin vom Werbeblogger.de Team bringt Jarvi`s Ansicht auf den Punkt:
Jarvis sieht uns am Anfang eines “Great Restructuring”, das er für weitaus fundamentaler hält als die augenblickliche Rezession.
Jarvis` drei Hauptgedanken, die Slideshow über das Buch, sowie einen Link zum Video der Rede findet ihr im Artikel auf werbeblogger.de.
















Ein guter Gedanke, Eck und Jarvis gegenüberzustellen! Ich werde auf jeden Fall beide Bücher lesen, denn das eine wie das andere finde ich zu diesem Thema interessant & wichtig. Mit zwei Problemen mindestens haben wir hier zu kämpfen: Unseren täglichen Entscheidungen, welche Information für unsere Online-Reputation gesund ist welche nicht, wäre die eine. Die zweite wäre der individuelle Kontrollverlust hinsichtlich der Informationen, die über uns im Netz kursieren. Kontrolle ist hier wie dort das Stichwort. Auch in Bezug auf Jarvis: Seinem eher optimistischen Ausblick nach könnte mit dem Lockern der Kontrolle auf Seiten der Unternehmen auch eine Stärkung der Kontrolle auf Seiten jedes und jeder Einzelnen einhergehen, also m. E. informationelle Selbstbestimmung. Wär toll. Ich bin bloß nicht ganz so optimistisch …
Ja mein Optimismus diesbezüglich hält sich ebenso in Grenzen. Ich bin überzeugt davon, dass wir beim Lesen der Bücher auf jede Menge Denkanstösse / Diskussionsstoff stossen werden. Ich gehe daher davon aus, auch auf werbeblogger.de wieder über Jarvis (oder auch Eck) zu lesen
Gehe ich auch von aus …
Nach meinem Blogpost "Jeff Jarvis vs. Klaus Eck oder wieviel Google ist gut für mich" http://awe.sm/NdI ist endlich Jarvis` Buch da!