Das Ende einheitlicher Suchergebnisse?

Personalisierte Suchergebnisse wurden bisher nur Benutzern, die sich in ihrem Google-Konto eingeloggt hatten, angezeigt. Seit dem 5. Dezember erhält nun JEDER, der bei Google etwas sucht, personalisierte Suchergebnisse. Hierfür speichert und analysiert Google das Webprotokoll 180 Tage lang mittels Cookie im Browser.

Hat dies Auswirkung auf das Ranking von Webseiten?

Es stellt sich die Frage, inwieweit dies Auswirkungen auf Suchmaschinenoptimierung hat. Angeblich sollen ja bereits Nutzerverhalten der eingeloggten Google-Nutzer in die SERPs (Search Engine Result Pages) mit einfließen. Je nachdem wie groß der Anteil dieser eingeloggten Nutzer von den Gesamtsuchanfragen war, können sich die Suchergebnisse nun ändern. War der Anteil bisher also eher gering, ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass sich die Suchergebnisse, bzw. das Ranking diverser Webseiten bald ändern werden.

Ein weiterer Faktor bei dieser Überlegung ist, inwieweit diese eingeloggten Nutzer in ihrem Verhalten homogen waren. Ein (zugegeben) einfaches Beispiel zum besseren Verständnis: War ein Großteil der bei Google eingeloggten Nutzer iPhone affin, so suchten sie demenstprechend oft nach „iPhone“ und klickten in den SERPs vermehrt ein entsprechendes Set von iPhone relevanten Webseiten an. Diese Webseiten wurden dann  von Google aufgewertet. Wenn Google nun jedoch alle Suchanfragen – also von fast allen Nutzern – trackt (ausgenommen der Bruchteil, welcher dies unterbindet), so verkleinert sich der Anteil der iPhone affinen Nutzer im Verhältnis zur Gesamtheit aller Nutzer. Dies wiederum würde andere beliebte Themen bzw. andere Webseiten aufwerten und schnell den „Vorteil“ der bisher aufgewerteten Seiten wieder aufheben (sollte dies bisher wirklich die SERPs beeinflusst haben). Bitte korrigiert mich, sollte ich hier falsch liegen. Hanns Kronenberg meint

„Grundsätzlich werden alle Websites davon profitieren, die ihre langfristige SEO-Strategie auf guten Content und hohe Usability der Website aufgebaut haben. Denn genau diese Websites werden in den Suchergebnissen dauerhaft häufiger geklickt. Ebenfalls dürften Websites von starken Marken profitieren.“

Was heisst das für SEO?

SEO technisch kommt hier eine Chance Herausforderung hinzu: Um sich in den Suchergebnissen möglichst weit vorne/oben zu erscheinen, sollte die Website (neben den vielen anderen Ranking-relevanten Kriterien die sie natürlich auch weiterhin erfüllen sollte) in möglichst vielen Webprotokollen gespeichert werden. Uwe Tippmann hat bereits im März dieses Jahres über die personalisierte Suche nachgedacht und festgestellt, dass man sich

„…langsam aber sicher Gedanken machen muss – in wie weit man den Nutzer dazu bringt sein Ergebnis anzuklicken, damit dieses Klickverhalten in seine Suchhistorie einläuft und das Ranking positiv beeinflusst.“

Interessant ist auch der ein oder andere Tipp vom Seouxindianer. Dabei meine ich nicht unbedingt den Tipp Inder oder Chinesen zu engagieren, die dann mit neu eingerichteten Google Accounts auf eine spezielle Seite in den SERPs klicken, sondern eher die darunter stehenden Tipps, wie zum Beispiel die Long Tail Keywords Optimierung, also wie ihr diese Wortkombinationen onpage, oder auch mittels Domains abdecken könnt.

Wirkung auf mich, den Nutzer, den Konsument:

Grundsätzlich empfinde ich diese „Geschäftsmethode“ – obwohl ich von dem Prozess beeindruckt bin – als sehr unseriös und datenrechtlich nicht unbedenklich. Welches andere Unternehmen beobachtet mich permanent und rühmt sich noch damit, dass es mir damit nur einen Vorteil durch Personalisierung verschaffen möchte? Jetzt mal ein etwas weit hergeholter Vergleich – aber würdet ihr es zulassen, wenn z.B. Volkswagen eure täglichen Fahrtrouten bzw. euer GPS im Auto tracken würde, nur um euch dann das passendste Modell vor die Nase zu halten? Ich glaube nicht! Gerald Steffens schreibt so schön treffend:

„Google verpasst uns erst einmal ungefragt den Keks, wir müssen also selber aktiv werden, um den Daten-Spitzel auszuknipsen. Sauber wäre es ja eher andersrum. Wenn jemand personalisiert werden will, dann kann er sich den Cookie doch auf Wunsch setzen lassen.“

Damit bringt er es auf den Punkt. Aus Nutzersicht hoffe ich ehrlich gesagt, dass dass die Hebelwirkung von SEO-Maßahmen in Grenzen bleiben, damit wir nicht bald solche Ergebnisseiten zu sehen bekommen ;.)